Poljuschka Polje

Gastinitza Rassia

Fast aufs Jahr genau befinde ich mich heute wieder in Russland. Diesmal aber dienstlich, denn wir sind hier, um auf dem Kulikowo Polje Vitrinen für ein neues Museum zu errichten. Dieses soll an eine Schlacht des russischen Bündnisses gegen die Goldene Horde im Jahr 1380 erinnern.

Zu diesem Zweck wurde ein verlassenes Dorf im dünn besiedelten Südwesten des Oblast Tula als Gedenkstätte neu errichtet (53.623639, 38.669781). Das Museumsgebäude selbst stellt zwei Heere dar,  in der riesigen, öden Landschaft aufeinander prallend (meine Interpretation).

Am ersten Tag sollten zum Anfang die LKW entladen und die Kisten ausgepackt werden. Das wurde jedoch von der Tatsache verhindert, dass die Zufahrtsstraße geteert wurde. Also haben wir alle Kisten vorn am Parkplatz abgeladen, mit Folie bedeckt und sind wieder heim gefahren – ins 70km entfernte Gasthaus Rossia, Nowomoskowsk.

Schon am nächsten Tag waren die Straßenbauarbeiten abgeschlossen, sodass ich die Kisten ins Museum staplern konnte. Unser Gabelstapler wurde in der Kolchose des etwa vier km entfernten Dorfes Iwanowka gelagert. Also bestand meine Aufgabe darin, diese Strecke durch die russische Steppe auf einer einsamen Straße zurückzulegen. An diesem Tag schien die Sonne und am Feldrand trottete ein augenscheinlich herrenloser Hund neben meinem gemächlichen Stapler her. Leider hatte ich keine Kamera dabei.

Auf dem Kolchosenhof fiel mir sofort ein rostiges Stück Stahl auf: ein gesprengtes Geschützrohr im Kaliber 150mm, welches durch Nachforschungen vom Russlandexperten ЛapзЫ als deutsch identifiziert werden konnte. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem gezeigten Modell um Überreste einer 15 cm Feldkanone 18 der Firma Rheinmetall-Borsig, die beim Rückzug von ihrer Besatzung aufgegeben und gesprengt wurde. Die Einzelteile versanken im Schlamm und wurden nun über sieben Jahrzehnte später von der örtlichen LPG ausgeackert.

Heute haben wir eine große Vitrine teil montiert, deren ca 300 kg schwerer Oberrahmen auf etwa zweieinhalb Meter Höhe gehievt werden musste. Also habe ich zwei herumliegende Stücken Bewehrungsstahl in eine U-Form gebogen, die wir dann in die Betondecke einklebten. Daran konnten wir Flaschenzüge befestigen und damit den Stahlrahmen hoch ziehen. Hat hin gehauen und es gab keine Toten.

Inzwischen hat auch General Winter wieder das Heft des Handelns in die Hand genommen. In Weiß bekommt die sowieso schon endlose Landschaft eine wahrhaft epische Färbung!

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4 Antworten auf Poljuschka Polje

  1. ЗиедуЦер sagt:

    Es war mir ein Fest, dir dienen zu dürfen. Genieße das Jahresjubiläum im ganau so schönen wie großen Rußland!

  2. theralf sagt:

    Es hier übrigens auch Birkenwälder bis zum Horizont!

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