Also eigentlich wird ein Artikel fuer Armenien und Georgien zusammen beiden Laendern nicht gerecht. Alleine in Georgien kann man locker einen Monat verbringen, ohne ueberhaupt vom Mopped zu steigen! Aber besser im Sommer…
Vom Iran bin ich also ueber die Grenze nach Armenien gefahren, was alles problemlos funkionierte. Nur meine Fotos vom Grenzuebergang musste ich leider wieder loeschen. Dann fuhr ich bis zum Dunkelwerden durch malerische Berglandschaften (Passhoehe bis 2500m), bis ich bei Goris ein huebsches Hotel fand, wo ich mit Bier und faustgroszen Klumpen Schweinefleisch bewirtet wurde. Christliche Kultur hat schon auch was fuer sich! Am naechsten Tag nieselte es, aber nach Jerewan waren es nur noch etwa fuenf Stunden Fahrt. Dort fand ich zwar das Hostel nicht, wo ich urspruenglich hin wollte, aber dafuer zufaellig ein anderes, was auch sehr nett und vor allem, trotzt Innenstadtlage, eine Garage fuers Hiatamadl bereithielt. Ich wanderte ein biszchen in Jerewan herum, allerdings bei Weitem nicht genug, denn die Stadt ist recht huebsch und sieht im Gegensatz zu weiten Teilen des Landes auch kaum noch sozialistisch aus: Mercedesse und BMWs praegen die nobel gepflasterten Straszen und Frauen in hochhackigen Schuhen flanieren an teuren Edelboutiquen vorbei.
Weiter drauszen jedoch rasseln noch die guten alten Ladas, Wolgas und Moskwitschs ueber die Buckelpisten und sogar die benzingetriebenen GAS-53 und SIL-130 LKWs laufen noch! Aber nicht trotz, sondern wegen der steigenden Spritpreise – denn die alten Vergasermotoren sind ohne viel Aufwand auf Propangas umruestbar!
Als ich nach einem Tag Aufenthalt schlieszlich Armenien verliesz, waehnte ich mich an der Grenze zu Georgien schon in Europa… Anhalten, Pass ins Fensterchen geben, Stempel drauf und gute Fahrt, bei der Einreise genau so. Kein Carnet mehr, keine Wartezeiten… Voelkerfreundschaft fetzt!
Am Abend erreichte ich das Nest-Hostel in Tiflis. Vom Balkon aus wurde ich schon herzlich von Laura, Chris und Michael begrueszt. Alle drei Kradfahrer, erstere hauptberuflich und letzterer hat seine AfricaTwin in Tiflis einmotten lassen, um im Fruehjahr weiter in die Mongolei zu fahren.
Von Michael erhielt ich einen Hinweis auf Nicko, einen Mechaniker, der in der Lage ist, Teile und Oel fuer alle Motorradmodelle zu bekommen und diese auch fachgerecht einzubauen. Nebenher bekam ich von der Hostelchefin (deren Name mir peinlicherweise nicht bekannt ist) und Salome (die dort arbeitet), meine Tickets fuers Schiff nach Ilitschewsk (bei Odessa) organisiert. Wies der Zufall wollte, lagen sowohl Nickos Werkstatt und das Faehrgesellschaftsbuero zwar am anderen Ende der Stadt, jedoch beide unweit voneinander! Also Hiatamadl zum Nicko gefahren, ins Taxi gehuepft, Tickets bestellt (und bezahlt, ca 340 EUR…) und wieder zurueck zum Nicko getaxit, wo er mir erzaehlte, was alles kaputt ist. Gut, das meiste wusste ich schon, aber das schlackernde Vorderritzel auf der Antriebswelle mit ausgeschlagenem Lager war auch mir neu. Aber ich wollte nichts ueberstuerzen und fuhr (mit neuem Oel und Filtern) zurueck ins Hostel, wo ich Rat beim Bjoern und von Chris einholte. Bjoern: Ausgeschlagenes Antriebswellenlager ist nicht so schlimm, solange noch nicht viel Oel rauslaeuft. Chris: das schlackernde Ritzel auf der Welle machen wir mit ner Unterlegscheibe wieder fest. Bisher haelt auch alles. Abends waren wir dann mit Nathan (US), Salome und deren Freundin Mathilda georgisch essen. Mmmmh!
Gesten morgen bin ich dann los nach Batumi. Aufgrund von Zeitmangel musste ich Gori leider auslassen, aber Georgien ist ja nicht weit weg! Auf etwa halben Wege blieb mein Gefaehrt ploetzlich stehen und wollte partout nicht mehr anspringen. Sprit war drin und auch sonst war alles Sichtbare okay. Gegenueber war eine Autowerkstatt, deren Bedienstete mir zwar sogleich zu Hilfe eilten, jedoch kein Wort englisch verstanden. Aber auch das war nur ein geringes Problem, denn wie ueblich in solch einer Situation, wurde jemand herbeitelefoniert. Und wer kam? Eine freundliche Frau mit perfektem – deutsch! Was auch sonst! Wir hatten das Motorrad inzwischen zur Werkstatt bugsiert, wo ich im Hof genuegend Platz zum Basteln hatte: Also Gepaeck ab, Sitzbank und Tank runter und erstmal Kerze gucken. Kein Kerzenschluessel. Die aus der Werkstatt waren zu breit fuer den engen Schacht. Mist. Memo an mich: Auf die naechste Transkontinentalausfahrt besser einen mitnehmen. Vorher gucken, ob er passt…
Jedenfalls bemerkte ich beim ratlos Runden ums Madl laufen, dass der Vergaser nicht so in der Gummimanschette zum Ansaugkanal drinne steckte, wie er vermutlich sollte. Also hab ichs wieder richtig rein gemacht und die Schlauchschellen fest gezogen und einfach mal probiert. Sprang an und lief! Naja, wenigstens war der Tank nicht umsonst abgebaut!
In Batumi kam ich dann im Dunkeln an. Als ich durch die Altstadt fuhr und nach Straszenschildern Ausschau hielt, bemerkte ich die in der Fahrbahnmitte eingelassene Gossenrille zu spaet. Etwa ne handbreit tief und regennass. Freundliche Passanten und Gaeste des Doenerladens kramten mich nach dem Sturz unter meinem Gefaehrt hervor und guckten, ob ich verletzt war. Aber bis auf einen Kratzer an der Nasenwurzel (der Brillenbogen) und einem verstauchten rechten Handgelenk war ich gesund. Das Mopped soweit auch, nur der rechte Spiegel ist leider abgebrochen. Da ich aber guenstig gebruchlandet war, konnte ich gleich Abendbrot essen und nach dem Weg fragen.
Und so fand ich schlieszlich das D’Vine Hostel, was aber gar kein Hostel ist, sondern ein kleines Haeuschen einer alten Dame, die zwar kein englisch spricht, aber sonst sehr nett ist und mir immer Tee und Obst gibt. Heute konnte ich herausfinden, dass mein Schiff (die “Greifswald”) erst Montag nachmittag ablegen wird. Bin ich nicht boese, denn Batumi (das Miami Georgiens- hier wachsen sogar Bananen!) ist sehr schoen.
Mann o mann, reichlich Action für die wenigen Tage! Hoffentlich zeigten sich nach der Adrenalinphase keine weiteren Verletzungen!
Aber besonders herzlichen Dank für deine Karte, die hab ich gestern ausm Kasten gefischt!
Neenee, alles gut, ich bin ja eh nicht schnell gefahren.
Gerne!
Herzliuch willkommen in Europa,hoffentlich gehen die letzten paar tausend Kilometer noch gut über die Runden.Wir freuen uns!
Naa! Wirst du wohl den Tag nicht vor dem Abend loben! Erst wenn ich in Ilitschewsk von Bord gehe, bin ich in Europa. Das dauert noch paar Tage…
Naaa! Vorsicht, Mann! Asphaltküsse werden erst in Deutschland wieder verteilt und dann auch nur ohne Mopped, selbst initiiert und in Papstmanier!
Kein rechter Moppedfahrer ist, der sich noch nie aufs Maul gepackt….
Schicker Wolga genau mein Modell kannst du mit dem weiter fahren ? Und dein Moped oben drauf tun ? Grüße Seppel
Ich seh schon den aufgewirbelten Staub….
Das duerfte schon bald Pulverschnee sein…
Herzlichen Dank für deine Karte aus Jerewan! Bei der Schlussformel “Bis später! ” hab ich mich bald weggepeitscht! Sitze zwar grad im Zug nach Hamburg, aber weiterhin entsprechend motiviert grüße ich mit “Bis gleich!”
Gute Fahrt auf die letzten paar Radumdrehungen
Yeah! Beim Ueberqueren der grenze nach Polen hats mir irgendwas in der Elektrik durchgehauen. Nun geht kein Tacho, Drehzahlmesser, Blinker und ruecklicht mehr. Aber Vorderlicht is noch und ansonsten mit handraushalten. Aber vielmehr darf nun nicht mehr kaputt gehen oder abfallen, ehe der Fahrkomfort ernsthaft leiden wuerde…
Durchhalten! Nicht die Konzentration verlieren Reisender!! Mann..aber was wären Deine Moritatengesänge ohne Action..haha..sing weiter
Ist da etwa schon jemand zuhause ?
Noch nicht ganz…